Ablegerbildung und Königinnenzucht – der Jungbrunnen unserer Imkerei

Ich vermehre meine Bienen konsequent über die Ablegerbildung: Jedes Jahr werden frühzeitig (während der Frühtracht – meist erste Hälfte Mai) in etwa soviele Ableger gebildet, wie Wirtschaftsvölker auf dem Stand stehen. Dabei werden alle Standvölker geschröpft – jene welche in Sachen Volksstärke oder anderen Kriterien nicht meinen Vorstellungen entsprechen, ganz aufgelöst. So wird dem Schwarmtrieb effizient vorgebeugt und alle Völker, welche nicht 100% genügen werden zu Hoffnungsträgern für das nächste Bienenjahr umgemünzt.

Ein Brutableger ist in wenigen Minuten gemacht:

Die Zutaten  1 Futterwabe,  2 möglichst gedeckelte Brutwaben mit den aufsitzenden Bienen  (etwas offene Brut soll auch dabei sein – aber nicht die Königin!), Bienen von weiteren 4-5 Waben.

Alles in einen Ablegerkasten geben, Deckel drauf, vorübergehend am besten an einen mindestens 2 km entfernten Ort bringen. Ich verwende als Kasten für jeweils drei Ableger gemeinsam eine normale Magazin-Zarge mit einem eigens konstruierten Ablegerboden (Gitterboden, drei Fluglöcher, zwei Schiede).

Drei Ableger in einer Zarge - getrennt durch zwei Schiede

Bei der Bildung der Ableger soll nicht geknausert werden: Starke Ableger machen viel Freude: Sie entwickeln sich zügig und aus den zwei Brutwaben entstehen die stärksten Völker der kommenden Saison.

Ein Flugloch von drei. Der Ableger ist stark besetzt - so soll es sein...

Der weisellose Ableger beginnt sofort damit, aus der offenen Brut Königinnen nachzuschaffen. Das heisst, dass im Prinzip nichts weiter unternommen werden müsste – in einem Monat wird es in der Regel  eine eierlegende Königin im Ableger geben.

Da ich jedoch nicht nur irgendeine Königin in meinen Ablegern haben möchte, sondern meinen Bienenbestand durch Selektion zu verbesseren suche, betreibe ich Königinnenzucht. Am Tag der Ablegerbildung werden mittels Anbrüter und anschliessender Pflege im weiselrichtigen Volk junge Königinnen der gewünschten Abstammung herangezogen. Zehn Tage später werden die Nachschaffungszellen aus den Ablegern ausgebrochen und durch meine schlupfreifen Zuchtzellen ersetzt.

Aus der nach zehn Tagen eingesetzten Zuchtzelle ist eine Jungkönigin geschlüpft

Wer keine Königinnen züchtet , aber trotzdem von seinen besten Völkern vermehren möchte, dem empfehle ich folgende Methode, welche ich selber gelegentlich anwende:

Das ausgewälte Muttervolk gezielt in den Schwarmtrieb treiben (nicht erweitern, allenfalls verstärken mit Brutwaben anderer Völker…) Sobald das Volk im Schwarmtrieb ist – also Weiselzellen gezogen hat, werden diese samt den Waben auf welchen sie erbaut wurden zur Ablegerbildung verwendet: In jeden Ableger kommt eine Wabe mit Weiselzelle und zusätzlich eine weitere Brutwabe und Bienen (auch aus einem anderen Volk). Schwarmköniginnen sind die komplettesten, natürlichsten und obendrein noch gratis. Nimm diese Geschenk an, wenn es sich um gutes genetisches Material handelt !

Das Begattungskästchen (Apidea und andere) hat bei mir längst ausgedient. Begattungskästchen machen meines Erachtens nur zur Auffuhr auf die Belegstelle und zur kommerziellen Zucht Sinn. Ansonst halte ich sie für einen Zeitvertreib unterbeschäftigter Imker, welche es gerne etwas kompliziert mögen.

Jede meiner Königinnen schlüpt in einem Ableger auf dem Standmass.  Ich suche keine Königinnen – ich setzte keine Königinnen zu – ich hantiere nicht mit Spielzeug-Wäbchen in Spielzeug-Kästchen herum und weiss dann nicht, was ich mit diesen Ende der Saison tun soll. Beim Begattungskästchen könnte ich bei der Kontrolle im Falle des Erfolges bestenfalls feststellen, dass ich eine Königin habe, welche in Eilage gegangen ist. Gleichentags bei einem früh gebildeten Ableger kann ich aber Ende Mai bereits feststellen, dass ich ein junges Volk habe – mit drei Waben voller Brut – bereit einen grösseren Kasten zu beziehen.

Jeder gut gedeihende Ableger wird zum Wirtschaftsvolk aufgebaut. Nicht genügende oder Weisellose werden mittels Ziehen des Schiedes einfach mit dem Nachbar vereinigt.

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Eine Antwort zu Ablegerbildung und Königinnenzucht – der Jungbrunnen unserer Imkerei

  1. Erich Bleuler, 57022 CastagnetoCarducci IT schreibt:

    Danke für die kurze aber klare Beschreibung der Ablegerbildung, gibt einen guten Ueberblick auf einfache Möglichkeiten, glaube jedoch für Anfänger nicht leicht verständlich

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